Schmetterlinge und Falter anlocken

Die majestätischen Schmetterlinge sind mit ihren farbenfrohen und ungewöhnlich gemusterten Flügeln ein wahres Wunder der Natur: Im Sommer gleiten die Insekten durch die warme Luft und besuchen duftende Blüten unterschiedlicher Zierpflanzen und Wildblumen. Trotz ihrer Schönheit und Harmlosigkeit stehen in Deutschland zahlreiche Tagfalter auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten, weil ihre natürlichen Lebensräume durch den Menschen zerstört werden. Fördern Sie durch eine schmetterlingsfreundliche Gartengestaltung den Naturschutz sowie die Artvielfalt: Wir erklären, wie Sie Schmetterlinge artgerecht unterstützen und in den Garten locken.

Schmetterling im Garten

Warum sind viele Schmetterlinge bedroht?

Der Großteil der in Deutschland heimischen Schmetterlinge ist vom Aussterben bedroht. Besonders häufig ist der Mensch an diesem Schicksal Schuld: Durch den Bau von Wohngebieten, Straßen und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft nehmen wir den Tag- und Nachtfaltern wichtige Lebensräume sowie Nahrungsquellen. Auch der Anbau von Monokulturen erschwert den Insekten die Nahrungssuche, sodass auch der pflanzenfressende Nachwuchs nicht länger optimal versorgt wird und schließlich stirbt.

Problematisch ist zudem der zurzeit weitläufig angebaute BT-Mais. Diese genmanipulierte Maissorte wurde so verändert, dass sie auf viele Motten- und Falterarten toxisch wirkt. Durch den Pollenflug nehmen die Insekten versehentlich giftige Substanzen auf, was Auswirkungen auf die Fortpflanzung haben kann oder unmittelbar zum Tod führt. Viele Organisationen wollen auf dieses Problem aufmerksam machen und bitten, gesichtete Schmetterlinge online zu melden. Diese lokalen Schmetterlingsbeobachtungen helfen dabei auf schwankende Populationsgrößen zu reagieren und Ursachen zu klären, etwa der Einsatz von Umweltgiften oder die gesteigerte Lebensraumzerstörung. Da Schmetterlinge besonders empfindlich auf ihre Umwelt reagieren, ist das Sterben der Tiere auch immer ein Warnsignal an den Menschen.

Setzen Sie im Gegenzug auf eine schmetterlingsfreundliche Gartengestaltung und unterstützen Sie die für die Natur sehr wichtigen, nützlichen Insekten bei ihrer Futtersuche und Überwinterung.

Falterschutz im Hausgarten

Mit rund 200.000 Arten sind die Schmetterlinge nach den Käfern die größte Insektenordnung, wobei etwa 4.000 Arten auch in Deutschland heimisch sind. Nur etwa fünf Prozent dieser Schmetterlinge zählen zu den Tagfaltern, von denen aber rund 80 % auf der Liste der gefährdeten Arten stehen! Wenn Sie ein umweltfreundlicher Gartenbesitzer sind, sollten Sie sich daher auch mit der Frage eines möglichen Falterschutzes auseinandersetzen.

Wildblumenwiese als natürlicher Lebensraum

Eine Wildblumenwiese dient als natürlicher Lebensraum.
Wildblumenwiese

Es bieten sich Ihnen einige Möglichkeiten, den Aufenthalt heimischer Falterarten im Hausgarten zu fördern. Erster Schritt ist eine tierfreundliche, sprich natürliche Gartengestaltung, in der die Insekten viele Nist- und Versteckmöglichkeiten vorfinden. Viele Hobbygärtner sind von den ungewöhnlichen Blütenformen exotischer Pflanzen begeistert und sind stolz, wenn ein solches Exemplar in ihrem Garten gedeiht. Diese Pflanzen bieten heimischen Schmetterlingen jedoch häufig keinen passenden Nektar, sodass die Insekten auf Dauer mit Nahrungsmittelengpässen kämpfen müssen, weil die Faszination um Exoten im Garten weiter anhält. Auch spezielle Neuzüchtungen, die besonders resistent oder wuchsgehemmt sind, entwickeln oft deutlich weniger Nektar und somit Nahrung für die Falter.

Besonders wichtig ist daher die Schaffung naturnaher Bereiche, in denen heimische Wildblumen, Unkräuter und regionale Pflanzen gut gedeihen. Bestimmen Sie einen hinteren Gartenbereich, der als Naturwiese wachsen und gedeihen darf. Die Wildblumenwiese wird lediglich zweimal im Jahr gemäht, sodass hier zahlreiche Blumen und Gräser entstehen, die Schmetterlinge und weitere Nützlinge in den Garten locken.

Tipp: Verzichten Sie auf den Einsatz von Insektiziden im gesamten Garten. Diese töten oft nicht nur Schädlinge ab, sondern dezimieren bei Kontakt auch ganze Nützlingspopulationen. Falls aufgrund eines sehr starken Schädlingsbefalls ein Einsatz nicht länger vermeidbar ist, achten Sie bitte auf die Auszeichnung "bienenfreundlich". Diese Produkte sollen auf Nützlinge nicht toxisch wirken.

Diese Pflanzen fliegen Falter gerne an

Der Tagpfauenauge fliegt neben Zierblumen auch Begleitpflanzen, wie Brennnessel, an.
Tagpfauenauge auf Blume

Nicht jede Pflanze wird von Schmetterlingen gleichermaßen gerne angeflogen: Bildet die Zier- oder Nutzpflanzenblüte zu wenig Nektar, fliegt der Falter weiter. Andere Pflanzen wiederum sind besonders wichtig für die Falterraupen, jedoch nicht die adulten Insekten, die sich vorwiegend von Nektar, und nicht von Pflanzenteilen ernähren. Auch auf Wildblumen und Unkräutern, etwa Disteln oder Brennnesseln, fühlen sich die Schmetterlingslarven des Admirals, Tagpfauenauges oder des Distelfalters wohl.

Weiterhin dienen heimische Gehölze und Sträucher als Landeplatz und Rückzugsort vor Kälte und Winden. Hier leben einzelne Falterarten auf spezifischen Bäumen, so leben die Raupen des Zitronenfalters auf dem Faulbaum, während der Nachwuchs des Großen Schillerfalters Grauweiden bevorzugen. Doch auch Nutzpflanzen werden gerne angenommen. So ernährt sich die Larve des Schwalbenschwanzes von Petersilie oder Wilden Möhren und die Raupe des Ochsenauges von frischen Gräsern.

Die Blätter exotischer Pflanzenarten sind für die hier heimischen Falter ungenießbar und werden daher nicht als Lebensort gewählt. Eine Ausnahme bildet hier die Fuchsie: Ihre Blätter werden von den Larven des Mittleren Weinschwärmers gefressen.

Wussten Sie schon?

Über 80 % der heimischen Falter sind nachtaktiv. Die Nachtfalter verschlafen den Tag und machen sich nachts auf die Suche nach duftenden Blüten. Pflanzen Sie daher auch einige Duftpflanzen, die ihr Aroma erst in den Abend- und Nachtstunden voll entwickeln. Hierzu zählen beispielsweise Nachtkerzen, Nachtlichtnelken sowie das Geißblatt oder Nickende Leimkraut.

Schmetterlinge mit Futterstellen anlocken

Falter lassen sich durch Zuckerwasser und süße Früchte anlocken.
Falter anlocken

Schmetterlinge lieben süße Früchte und Zuckerwasser. Dieses Wissen können Sie sich zunutze machen und spezifische Futterstellen im Garten aufstellen. Besonders gut geeignet sind erhöht stehende Schalen, auf denen die Schmetterlinge problemlos landen können, etwa auf einem Baumstumpf oder kleinen, ungenutzten Gartentisch. Bevorzugen Sie bei der Standortwahl sonnige, windgeschützte Gartenbereiche, an denen sich die Insekten im Sonnenschein wärmen, erholen und ungestört stärken können.

Achtung: Durch zuckerhaltige Nahrung werden auch Wespen angelockt. Halten Sie daher bitte aus Sicherheitsgründen einen ausreichenden Abstand zur Terrasse ein.

In der Schale können Sie exotische, saftige Früchte anbieten, wie etwa Orangenscheiben oder bereits etwas ältere, weiche Bananen. Schneiden Sie die Früchte in schmale Scheiben oder Spalten und verteilen Sie mehrere Fruchtstücke auf dem Teller, um den Konkurrenzdruck zu mindern. Auch überreifes Fallobst wird im Herbst gerne angenommen.

Ebenso beliebt sind zuckerhaltige Flüssigkeiten, die auf einem flachen Unterteller auf der Futterstation separiert werden. Mischen Sie beispielsweise Malzbier mit Honig oder lediglich Wasser mit Zucker und einer Prise Salz. Zahlreiche Tag- und Nachtfalter werden diese zusätzliche Nahrungsquelle dankend annehmen und bei ihrem Besuch im Garten viele Pflanzen bestäuben.

Schmetterlinge im Winter

Viele Schmetterlinge verpuppen sich im Winter.
Puppen

Einige Schmetterlingsarten fliegen bereits im Herbst in den Süden, einige von ihnen sogar bis nach Nordafrika. Bevor diese Tiere die lange Reise antreten, stärken sie sich an überreifem Fallobst, aus dem sie den süßen Fruchtsaft aussaugen.

Dennoch überwintern auch viele Schmetterlinge in Deutschland. Tagpfauenaugen und der Kleine Fuchs sind sehr kälteempfindlich und suchen Schutz in Geräteschuppen, Garagen oder Dachböden. Hier verfallen sie bis zum Frühjahr in eine Kältestarre, um wichtige Ressourcen zu schonen und die lange Zeit unbeschadet zu überstehen. Andere Falter überwintern verpuppt an Zweigen und Blättern. Um diesen Tieren einen Unterschlupf zu bieten, können Sie altes Schnittgut im Herbst als Reisighaufen liegen lassen oder Falllaub zu einem Berg zusammenlegen. Späte Schnittmaßnahmen gilt es zu vermeiden, da jetzt häufig schon verpuppte Schmetterlinge in Hecken und Sträuchern hängen und auf den Frühling warten.

Übrigens: Der Zitronenfalter ist ein einzigartiger Überlebenskünstler. Sein Blut enthält ein Frostschutzmittel, das ihn vor dem Erfrieren bewahrt. Auf diese Weise kann er Temperaturen bis zu -20 °C unbeschadet überstehen.

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Bildnachweis
1. "Schwalbenschwanz" (Originalbild): DomenicBlair, Lizenz: CC0 1.0 / Pixabay
2. "Naturwiese" (Originalbild): Rita Rataiczak (fL_aq_32_U), Lizenz: CC0 1.0 / Pixabay
3. "Tagpfauenauge" (Originalbild): Werner Weisser (avantrend), Lizenz: CC0 1.0 / Pixabay
4. "Futterstelle" (Originalbild): Wolfgang Horvath (howo), Lizenz: CC0 1.0 / Pixabay
5. "Verpuppte Schmetterlinge" (Originalbild): GLady, Lizenz: CC0 1.0 / Pixabay

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