Pilze züchten: Pilzzucht im Garten

Pilze züchten im Garten

Pilze im eigenen Garten oder auch ganzjährig im Innenraum zu züchten ist einfacher, als man denkt - sofern man sich an einige Grundprizipien hält. Allgemein können zwei Phasen der Pilzzucht unterschieden werden: Das Durchwachsen des Substrates mit Pilzmyzel und die Erntephase, in der die eigentlichen, erntefähigen Pilze aus dem Substrat wachsen. Hier wird beschrieben, wie das funktioniert.

Champignonzucht

Fertig-Pilzkulturen für Haus und Garten

Man kann im Handel oder über das Internet Fertig-Pilzkulturen für die Pilzzucht zu Hause beziehen. Es gibt verschiedene Arten, von der Reinkultur in der Petrischale über die streu- oder steckfertige Pilzbrut bis zur komplett vorbereiteten Fertigkultur in der praktischen Anzuchtbox.

Pilzmyzel in Reinkultur

Farbenfroh: Pilzkulturen in einer Petrischale
Pilzkolonie

Pilz-Reinkulturen werden meist in Petrischalen angeboten. Es handelt sich um das Pilz-Myzel im "Grundstadium". Man kann solche Reinkulturen auch selbst herstellen, indem man Pilzsporen der gewünschten Pilzsorte auf eine Nährlösung gibt und unter humiden Bedingungen wachsen lässt. Allerdings muss dieser Vorgang vollkommen steril ablaufen, da anderenfalls die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass sich Schimmelsporen einschleichen und die Kultur vernichten.

Reinkulturen sind erst die Vorstufe zur "Pilzbrut", die letztlich zum "Impfen" des Pilzes in ein Substrat verwendet wird. Gibt man die Kultur in ein steriles, feuchtes organisches Substrat (z.B. eine Flasche mit abgekochten Getreidekörnern), durchwächst das Myzel die Körner und man kann nach einiger Zeit ein präpariertes Stück Holz, einen Strohballen oder ähnliches geeignetes Trägermaterial damit impfen. Weil für diese Variante sehr viel technisches Gerät, Know-How und Zeit nötig ist, ist es besser, man überspringt den ersten Schritt und kauft impffertige Pilzbrut.

Pilzbrut, Myzelpatches und -Sticks

Pilzmyzel unter dem Mikroskop
Pilzmyzel

Pilzbrut, Myzelsticks oder -Patches sind impffertige Pilzkulturen. Gibt man diese Pilzkulturen in ein geeignetes Substrat und lagert es feuchtwarm, durchdringt das Myzel nach einigen Wochen das Trägermaterial, aus dem schließlich die begehrten Fruchtkörper sprießen.

Für den Impfvorgang gibt es wiederum verschiedene Möglichkeiten: Man kann Stroh, Holzscheite oder Blumenerde mit hohem organischen Anteil verwenden. Auch andere organische Materialien, wie Kaninchenstreu oder Rindenmulch sind denkbar. Das wichtigste ist, dass das Substrat dauerhaft feucht gehalten wird und immer zwischen mindestens 5, besser noch 15 und 25 Grad gelagert wird. Je nach Pilzart können die idealen Brut-Temperaturen abweichen.

Manchmal wird die Pilzbrut bereits mit geeignetem Abdeckmaterial ausgeliefert, das während der Brutphase vom Pilzmyzel durchwachsen wird. Standard ist das bei Fertigkulturen; sie sind noch einfacher zu handhaben.

Fertigkulturen

Substratballen nach dem Anschneiden
Pilzzucht

Fertige Pilzkulturen kommen in Paketen mit fertig geimpftem oder bereits durchwachsenem Substrat. Das Entwicklungsstadium des Myzels bestimmt, wie lange es dauert, bis nach dem Öffnen der Kultur die ersten Pilze geerntet werden können. Man geht einfach nach Anleitung vor und hat häufig bereits nach kurzer Zeit die ersten Pilze zum Ernten. Meist wird der Behälter zunächst geöffnet und die Kultur befeuchtet und/oder mit Substrat bedeckt und dann wieder verschlossen, um die Feuchtigkeit zu halten.

Je nach Kultur bleibt das Ganze dann wie ein Minigewächshaus dauerhaft abgedeckt oder kann nach einer gewissen Reifezeit geöffnet, bzw angeschnitten werden. "Reif" ist der Substratballen, wenn das weiße Pilzmyzel ihn vollständig durchdrungen hat. Durch den Sauerstoffeinfluss beginnen dann unter der Folie oder durch die Öffnungen hindurch Pilze zu sprießen und können über Wochen in mehreren Erntedurchgängen abgeerntet werden. Nach drei bis fünf Erntephasen kann das gesamte Paket schließlich bequem über den Hausmüll entsorgt werden.

Warum muss die Pilzkultur abgedeckt werden?

Waldbäume geben über ihr Laub permanent Feuchtigkeit an die Luft ab, spenden Schatten und sorgen für durchlässiges Substrat am Boden. Wer im Hochsommer einen dichten Wald betritt, kann den klimatischen Effekt unterm Blätterdach hautnah erleben. Um während der Durchwachs-Phase des Pilzmyzels ein ähnliches, konstant feuchtes und gemäßigt warmes Klima zu erzeugen, ist eine Abdeckfolie unerlässlich. Zudem ist die Gefahr eines Schimmelbefalls geringer, solange die Pilzkultur hermetisch verschlossen ist.

Die Pilzzucht im eigenen Garten

Zum Pilze züchten im Garten hat sich die Baumstamm-Methode bewährt. Während Fertigkulturen und Strohballen nach einiger Zeit durch Fäulnis unbrauchbar werden, bietet ein gut platzierter Baumstumpf dem Pilzmyzel über mehrere Jahre "Futter" zum Überleben. Außerdem sehen die Stämme im Garten deutlich besser aus, als ein Klumpen Stroh.

Und das geht so: Man nehme ein etwa 50 Zentimeter langes Stamm- oder Astsegment eines Laubbaums von mindestens 15 cm Durchmesser und bohre rundherum über die gesamte Länge mehrere Löcher hinein. Ansägen geht auch. Je frischer das Holz ist, desto besser eignet es sich für die Pilzzucht. Je weicher es ist, desto schneller geht es - hält dafür aber auch nicht so lange. Wichtig ist, dass es noch feucht ist. Zur Not kann man den Stamm aber auch ein paar Tage in frischem Wasser einlegen. Die Bohrungen sollten nicht ganz durch den Stamm gehen und einen Durchmesser von etwa anderthalb Zentimetern haben. Bewährt hat sich eine spiralförmige Verteilung der Bohrungen um den Stamm herum: alle 10 cm ein Loch. Die Hohlräume werden dann mit der frischen Pilzbrut gefüllt und mit einem Stück Karton und Reißnägeln verschlossen. Man kann die Stämme auch in Folie einwickeln. Dann wird die Pilzzucht luftdicht in eine Plastiktüte verpackt und an einem schattigen Ort bei Temperaturen von 15-25 Grad gelagert. Wenn man alles richtig gemacht hat, sollte das Myzel den Stamm nach drei bis vier Monaten vollständig durchwuchert haben.

Pilzmyzel breitet sich gern in totem Holz aus.
Waldpilze auf totem Holz

Werden auf der Baumrinde die ersten weißen Myzelspitzen sichtbar, ist die Durchwachs-Phase beendet und der Stamm ist reif für den Garten. Für die Platzierung sollte ein schattiger Ort mit feuchtem Boden gewählt werden. Hier gräbt man die Stümpfe senkrecht ein, etwa 15 Zentimeter sollten genügen, damit sie nicht umfallen. Durch den feuchten Boden bezieht der Stamm weiterhin die nötige Feuchtigkeit für das Pilzwachstum, man sollte aber dennoch regelmäßig gründlich von oben gießen, besonders an heißen Sommertagen. Der Vorteil der Holz-Methode ist, dass der Stamm nur so viel Feuchtigkeit aufnimmt, wie das Myzel zum Überleben braucht, der Rest fließt ab. Staunässe muss unbedingt vermieden werden, da das Myzel sonst abstirbt.

Diese Variante funktioniert am besten mit Pilzbrut aus Getreidekörnern. Analog funktionieren Myzelpatches auf flachen Holzscheiben. Die Scheiben halten zwar nicht so lange wie ganze Stämme, lassen sich dafür aber platzssparend unter Büschen und kleinen Bäumen platzieren. Myzelsticks werden bevorzugt für Strohballen verwendet.

Ein vollständig mit Myzel durchsetzter Baumstamm, sollte etwa zwei bis sechs Wochen nach dem "Auspacken" die ersten kleinen Fruchtkörper bilden. Von diesem Zeitpunkt an kann man den Pilzen geradezu beim Wachsen zusehen. Ausgewachsene Pilze können dann in mehreren Erntedurchgängen im Abstand von 2-4 Wochen abgeerntet werden. Die Stämme können den Winter über draußen bleiben, einmal durchwuchert ist die Pilzfarm winterhart. Bei richtiger Pflege kann so ein Stamm über mehrere Jahre frische Pilze liefern, bevor er ausgezehrt ist und zerfällt.

Bei der Pilzzucht mit der Strohballen-Methode wird Stroh midestens 48 Stunden gewässert und mit Folie zu einem Ballen gebunden, in den dann Myzelsticks gesteckt werden. Wer Pilze ganzjährig im Keller ziehen will, ist mit dieser Methode vielleicht am besten bedient. Hier kann man nach der Durchwachs-Phase durch Schnittstellen in der Folie festlegen, wo die Pilze herauswachsen sollen.

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Bildnachweis
1. "Champignonzucht": © Dieter Schütz / pixelio.de
2. "Pilzkolonie": © palantir / istockphoto.com
3. "Pilzmyzel": © volschenkh / istockphoto.com
4. "Pilzzucht": © Dieter Schütz / pixelio.de
5. "Waldpilze auf totem Holz": © Lupo / pixelio.de

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