Bäume schneiden – Welche Jahreszeit ist richtig?

Astschere

Viele Bäume werden zurückgeschnitten. Wann ist die beste Zeit für welche Art des Rückschnitts? Wie wirkt sich ein Baumschnitt zu welcher Zeit auf den Baum und den Ertrag im laufenden oder im Folgejahr aus? Wann darf man Bäume schneiden?

1. Bäume schneiden – Was ist die richtige Jahreszeit?

Im Grund kann man Bäume zu jederzeit schneiden, wenn es erforderlich wird. Nur die Auswirkungen sind für verschiedene Baumarten zu verschieden Jahreszeiten völlig unterschiedlich und es ergibt natürlich Sinn, dem Baum so wenig Schaden wie möglich zuzufügen.

Der traditionelle Winterschnitt oder ein Sommerschnitt? Die Landwirte hatten früher im Winter mehr Zeit und außerdem tritt im Winter weniger Harz aus. Daher erschien ein Winterschnitt lange Zeit die beste Möglichkeit zu sein. Doch bereits in den 70er Jahren belegte die Forschung, dass die dem Baum eigenen Abwehrmechanismen (schützenden Wulst bilden usw.) in der Wachstumsphase im Sommer viel schneller greifen und die Bäume einen Rückschnitt besser verkraften. Doch beides ist zu kurz gegriffen.

Eine Verletzung ist ein Baumschnitt immer. Es geht nur darum, welche Konsequenzen das, zu welcher Zeit hat. Dabei sind der Lebenszyklus, der Stoffwechselzyklus, die mit dem Schnitt verbundene Absicht und nicht zuletzt die Baumart zu berücksichtigen, um die individuell richtige Zeit für den Baumschnitt zu nutzen.

2. Lebensphasen der Bäume und Schnittmaßnahmen

Auch Bäume haben eine Jugend und ein Alter, der Abschnitt dazwischen wird Reifephase genannt.

Die Jugend eines Laubbaumes beginnt mit der Ausbildung der ersten Laubblätter und endet mit der Geschlechtsreife oft mehr als 20 Jahre später. In dieser Phase geht es vor allem darum sich durchzusetzen und genug Raum und Licht zu erobern. Der Baum ist abwehrstark und überaus vital.

In seiner Reife wächst der Baum und bildet mehr und mehr Holz, in dem er Reservestoffe für sein Alter einlagert. Er wird immer höher, der Stamm dicker und seine Krone breiter. Die Krone entspricht in etwa der Wurzelmasse und der Baum produziert in dieser Phase jede Menge Samen.

Wenn die ersten Äste dürr werden, das Wachstum und die Vitalität abnehmen, beginnt die Altersphase des Baumes. Die Krone lichtet sich, der Baum wird anfälliger für Pilze, die Holz abbauen. Je schneller ein Baum wächst, umso schneller altert er auch. Birken, Weiden und Pappeln sind also kurzlebiger als Eichen, Linden und Lärchen beispielsweise.

Den ersten Schnitt bekommen die meisten Bäume schon bei der Pflanzung, weil sie beim Entnehmen in der Baumschule einen Teil ihrer Wurzeln verlieren und die Krone dem angepasst wird (vor der Vegetationszeit also zwischen ab November bis Ende Februar), um dem Baum ein besseres Anwachsen zu ermöglichen.

Danach wird der Baum in seiner Jugendphase einige Jahre in Folge durch gezieltes Zurückschneiden mit dem richtigen Werkzeug in die gewünschte Form erzogen.

In Verlauf seiner Reifephase wird meist einmal jährlich ein Erhaltungsschnitt vorgenommen, um eine Fehlentwicklung zu vermeiden und genug Licht und Luft in der Krone zu erhalten. Dabei verjüngt sich der Baum durch Neuaustrieb fortlaufend.

In der Altersphase eines Baumes kommen Verjüngungsschnitte und vor allem Pflegeschnitte infrage, damit der Baum möglichst ohne Schaden bleibt. Mit einem sachgerechten Schnitt und guter Pflege können Bäume sehr alt werden.

Laub- und Nadelbäume können mehrere hundert und manchmal sogar mehrere tausend Jahre alt werden. Der vermutlich älteste Baum der Welt ist eine Fichte in Schweden, die fast 10.000 Jahre alt sein soll. Obstbäume dagegen werden meist kaum älter als 50 Jahre. Doch der vermutlich älteste Wildapfelbaum soll auch bereits etwa 450 Jahre alt sein. Man kann verallgemeinernd bei den Obstbäumen sagen, je kleiner und schwächer die Unterlage, umso kürzer die Lebensdauer – Spalierobst lebt beispielsweise oft nur 15 bis 20 Jahre.

3. Stoffwechselzyklus eines Laubbaums

  • Blattlose Phase (November/Dezember) Der Stoffwechsel ist stark verlangsamt, die Reservestoffe (die Stoffe, von denen der Baum lebt, die bei der Fotosynthese gebildet werden) werden in den Stamm zurückverlagert und die Abwehrmechanismen sind sehr eingeschränkt.
  • Vor dem Blattaustrieb (Januar/Februar/März)
  • Die Reserven werden mobilisiert und vom Stamm wieder in die Äste verlagert, hin zu den Knospen.
  • Rund um den Blattaustrieb (März/April)
  • Beginn der Wachstumsphase mit Produktion von Reservestoffen. Die Rinde ist sehr saftig, weich und leicht verletzbar.
  • Höhepunkt der Wachstumsphase (April/Mai/Juni)
  • Der Baum wächst in die Höhe und Breite und ist in dieser Phase sehr abwehrstark.
  • Ende des Wachstums in die Höhe (Juli)
  • Der Zuwachs stagniert, genau wie der Neuaustrieb und die Blattbildung.
  • Einlagerungsphase (August/September)
  • Einlagerung von Reservestoffen für den Winter (so lange Laub am Baum ist).
  • Verlagerung der Reservestoffe (Oktober/November)
  • Die Reservestoffe aus der Krone werden in den Stamm verlagert, wo sie geschützt sind.

4. Baumschnitt zu verschiedenen Jahreszeiten und Stoffwechselphasen

Jahreszeit

Vorteile

Nachteile

Anwendung

Blattlose Zeit – früher Winter (November/Dezember)

wenig Reservestoffverlust, da diese in der Zeit in den Wurzeln, dem Stamm und den dicken Ästen liegen; die Struktur des Baums ist in der blattlosen Zeit besser zu sehen und beurteilen

wenig Abwehrkraft; kaum schützende Wulstbildung; stattdessen teilweise starke Rücktrocknung (Nekrosen); Risikovon Wasserschossen im Folgejahr bei zu starkem Rückschnitt

Kopfbaumschnitt bei Weiden und Platanen, Linden oder Ahorn

Vor dem Blattaustrieb (Januar/Februar/März)

Abwehrreaktionen und Wundheilung beginnen direkt; Struktur ist in der blattlosen Zeit besser zu beurteilen

Die Reservestoffe sind in den Ästen und werden mit abgeschnitten; schwächt den Baum und Austrieb; Knospen und Rinde sind empfindlich;

Weinreben und teilweise Obstbäume; Laubbäume schneiden und Nadelbäume

Rund um den Blattaustrieb (März/April)

viel Energie vorhanden; Abwehrreaktionen und Wundheilung maximal aktiv; Bäume bluten nach Blattaustrieb nicht mehr;

Schädlinge und Schadorganismen sind ebenfalls sehr aktiv; Rinde anfangs noch empfindlich

Sträucher, die am vorjährigen Holz blühen, wie Forsythien; Pfirsichbäume (Frostschäden und Anschnitt einjähriger Triebe)

Höhepunkt der Wachstumsphase (April/Mai/Juni)

Neutriebbildung und Verzweigung werden angeregt; Abwehr und Wundheilung maximal aktiv;

Schädlinge sind sehr gefräßig , die Schadorganismen sehr aktiv und können in die offene Schnittstelle eindringen.

Formhecken und -gehölze

Ende des Wachstums in die Höhe (Juli)

Abwehr und Wundheilung aktiv; mäßiger Schnitt und Korrekturen können noch vor dem Winter kompensiert werden;

Bei feucht-warmen Wetter, kann unerwünschter Durchtrieb/Austrieb provoziert werden; Blütenknospen-Differenzierung kann gestört werden;

abgeerntete, frühreife Kirschbäume; sehr hohe Bäume schneiden

Einlagerungsphase (August/September)

Wundheilung noch aktiv genug; wenn mehr Licht in die Krone kommt, reifen Früchte, Triebe und Knospen besser aus;

zu starker Rückschnitt kann den Baum schwächen, er muss von seinen Reserven über den Winter leben;

einjährige, überzählige Neutriebe an Obstbäumen sowie überzählige Äste usw.

Verlagerung der Reservestoffe

(Oktober/November)

keine

Wundheilung kann nicht mehr erfolgen; Rücktrocknung wahrscheinlich; Schadorganismen teilweise noch aktiv;

Sturmschäden u. ä.; Rücktrocknung bei unerlässlichem Schnitt einkalkulieren und im Frühjahr nur Totholz entfernen

5. Mehr oder weniger Austrieb? Verjüngung oder Ertrag?

Ein Winterschnitt (am besten Januar/Februar) in der blattlosen Zeit, regt das Triebwachstum im Frühjahr an. Im Gegensatz dazu führt ein Sommerschnitt (Juni bis September) zu vermindertem Triebwachstum im Folgejahr und führt in der folgenden Wachstumsperiode zu mehr Fruchtbarkeit und Blütenbildung.

Bei Obstbäumen sollten im Sommer nach der Ernte auf jeden Fall die hellen, quer wachsenden Triebe und die ebenfalls hellen, senkrechten Wassertriebe entfernt werden. Totholz kann zu jederzeit entfernt werden, da dies den Baum nicht verletzt.

6. Baumarten und Schnitt

Die meisten Laubbäume werden nach neusten Erkenntnissen besser im Sommer geschnitten. Besonders in Birken, Ahorn- und Walnussbäumen steigen die Säfte im Frühjahr mit sehr hohem Druck auf. Sie sollten auf jeden Fall im Sommer (ab Ende Juli) geschnitten werden, da sie dann weniger zum Ausbluten neigen.

Nadelbäume behalten auch im Winter eine gute Abwehrreaktion, doch das Harz ist temperaturbedingt weniger flüssig. Von daher werden Nadelbäume – wenn überhaupt – im Winter geschnitten. Ein Teil der Nadelbäume lässt sich gut zurückschneiden wie Eiben, Lärchen, Tannen und Zypressen, während Fichten das überhaupt nicht vertragen, von der Goldspitzenfichte einmal abgesehen. Es werden nur die grünen Triebspitzen sowie Totholz, Astbrüche u. ä. geschnitten.

6.1. Häufige gestellte Fragen

Bäume schneiden – ab wann erlaubt? Bis wann darf man Büsche und Bäume schneiden? Wie lange Bäume schneiden? Form- und Pflegeschnitte dürfen ganzjährig erfolgen soweit kein Landesrecht oder örtliche Baumschutzsatzung dagegen sprechen – im Zweifel erkundigen Sie sich bei Ihrer Kommunalverwaltung. Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze sowie Einzelbäume in Natur und Landschaft oder Alleen und Straßenbegleitgrün dürfen vom 1. März bis zum 30. September nicht geschnitten werden. Private Gartenbäume und Bäume auf gärtnerisch genutzten Flächen sind davon ausgenommen, wenn Sie keine Nist- oder Ruhestätte von Tieren sind. Bitte unbedingt vorher prüfen, es drohen hohe Strafen.
Bäume schneiden bei Frost? Bei Frost kann es leicht zu Beschädigungen kommen, da dünneres Holz dann leichter bricht. Von daher wird bei Frost generell nicht zurückgeschnitten.
Alte Bäume schneiden? Alte Bäume können durch einen sachgerechten Schnitt verjüngt werden. Dazu eignet sich bei vielen Baumarten ein Rückschnitt im Januar/Februar gut, weil das den Neuaustrieb fördert. Totholz und morsches Holz muss schon aus Sicherheitsgründen immer entfernt werden. Das verletzt den Baum nicht, so lange nicht ins lebende Holz geschnitten wird. Allerdings schwächt ein Schnitt auch und muss eventuell über mehrere Jahre hinweg verteilt erfolgen.
Bäume schneiden – Werkzeug? Werkzeuge für den Baumschnitt müssen immer scharf und sauber sein, damit die Wunden sich gut verschließen und nicht infiziert werden. Je nach Größe kommen Gartenscheren, Astscheren, Sägen und Säbelsägen zum Einsatz.
Bäume schneiden – Anleitung? Eine generelle Anleitung zum Baumschnitt wäre viel zu unspezifisch, da verschiedene Baumarten usw. unterschiedliche Schnittmaßnahmen erfordern. Deshalb konkreter nach der jeweiligen Baumart oder der gewünschten Form wie beispielsweise Spalierobst u. ä. suchen. Begriffe wie Pflanz-, Erziehungs-, Erhaltungs-, Verjüngungs- und Ertragsschnitt führen in Kombination mit der Baumart weiter.

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