Giftige Pflanzen im Garten

Vergiftungsunfälle durch Pflanzen sind auf Platz drei der häufigsten Vergiftungsunfälle insgesamt: Rund 20.000 Kinder erleiden jährlich eine Vergiftung durch den Verzehr oder den Kontakt mit Giftpflanzen im Garten. Es ist daher besonders wichtig, den eigenen Außenbereich kindersicher zu gestalten und auf das Pflanzen von Giftpflanzen zu verzichten.

 

1. Giftpflanzen in Ziergärten

Auch wenn die meisten Giftpflanzen in der freien Natur, also in Wäldern und auf Wiesen, wachsen, finden wir sie doch vereinzelt auch in unserem heimischen Ziergarten. Das liegt unter anderem daran, dass Giftpflanzen häufig auffällig schöne Blüten bilden und sich gut als Zierpflanze eignen. Zudem weiß man beim Anpflanzen oft gar nicht, ob diese oder jene Pflanze giftig ist oder nicht. Daher sollte man sich schon beim Kauf der Pflanzen gründlich darüber informieren und sich nicht vom ersten Eindruck blenden lassen – besonders, wenn man Kinder im Haus hat!

Giftige Bestandteile an Pflanzen können Beeren, Samen, Früchte, Blätter, Wurzeln, der Stängel oder aber auch die ganze Pflanze an sich sein. Dies macht die Giftpflanzen so unübersichtlich und gefährlich. In den meisten Fällen erzielt der Verzehr geringer Mengen auch eine geringe Wirkung, jedoch ist dies von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich: Auch der Verzehr einer Blüte besonders giftiger Zierpflanzen kann bei Kleinkindern bereits zu schweren Vergiftungssymptomen führen. Sogar der bloße Hautkontakt kann bereits Verätzungen und unangenehmen Wunden hervorrufen, die nur schlecht heilen.

Sobald Ihr Kind giftige Pflanzenteile gegessen hat, sollten Sie umgehend den Notarzt und die Giftinformationszentrale anrufen.

2. Goldregen und Seidelbast

Goldregen

Alle Pflanzenteile des Goldregens sind giftig, besonders die Samen.

Der Goldregen ist ein beliebter Zierstrauch, der eine Wuchshöhe von bis zu sechs Metern erreichen kann und gelbe Blütentrauben bildet. Der Gemeine als auch der Indische Goldregen enthalten in allen Pflanzenteilen das Gift Cytisin, der Alpen-Goldregen enthält zusätzlich Ammodendrin, das in den Blättern besonders hoch dosiert ist. Die Giftstoffe wirken auf das Zentralnervensystem zunächst erregend und dann lähmend: Es kommt zu Herzrasen, übermäßigem Speichelfluss und Schweißausbrüchen, bevor der Kreislauf zusammenbricht und Atemlähmungen einsetzen. Nach einem Verzehr von Pflanzenteilen bitte umgehend einen Arzt aufsuchen.

Seidelbasts

Alle Pflanzenteile des Seidelbasts sind stark giftig.

Auch Seidelbast-Arten werden gerne als Zierstrauch eingesetzt, da sich die feinen Blüten in den unterschiedlichsten Farben zeigen. Die Rinde des Seidelbasts enthält das Gift Daphnetoxin, die Samen Mezerein. Beide Giftstoffe wirken bereits bei Hautkontakt und können zu schwersten Verätzungen führen. Nach einer oralen Aufnahme werden der Kreislauf als auch das Zentralnervensystem beeinflusst und die Nierenfunktion beeinträchtigt. Lassen Sie sich nicht täuschen: Einige Vogelarten scheinen immun gegen das Seidelbastgift zu sein und verzehren die Beeren, speien die Kerne aber wieder aus. Bereits ein Verzehr von zehn Beeren kann bei Kleinkindern jedoch tödliche Folgen haben.

3. Beeren der Vogelbeere und Eibe

Rote Beeren

Die rohen Beeren führen zu Übelkeit, sind jedoch nicht giftig.

Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, das Vogelbeeren giftig seien. Sie sind zwar aufgrund eines hohen Parasorbinsäure-Gehalts roh nahezu ungenießbar und besonders bitter – giftig sind sie deswegen jedoch nicht. Nicht umsonst wird aus dem Fruchtfleisch Marmelade und sogar Medizin hergestellt. Der Verzehr von rohen Früchten kann jedoch Übelkeit, Bauchschmerzen und Brechdurchfall auslösen. Da Kinder einen noch nicht so gut ausgebildeten Geschmackssinn haben, kann es hier daher schnell zu leichteren Vergiftungssymptomen kommen.

Eibe mit Früchten

Die Samen der Eibenfrüchte enthalten sehr giftige Taxane.

Dem gegenüber stehen die roten Früchte der Eibe, die stark giftige Taxane enthalten und bei einem übermäßigen Verzehr zu lebensgefährlichen Vergiftungen führen können. Erste Vergiftungssymptome sind dunkelrote Lippen, Mundtrockenheit und Blässe. Zudem kommt es zu Übelkeit und einem erhöhten Herzschlag, der dann schalgartig absackt und zu Kreislaufproblemen führt. Besonders problematisch: Eibenbeeren schmecken angenehm süß, sodass Kinder gerne viele Früchte essen, was fatale Folgen haben kann.

4. Hortensie und Oleander

Hortensie

Die Hortensie enthält giftige Blausäureverbindungen.

Die Hortensie begeistert Hobbygärtner mit ihren großen Blütenständen, die sich in hellen, rosafarbenen und bläulichen Farbtönen zeigen und zahlreiche Nützlinge anlocken. Dennoch ist die Hortensie hochgiftig, wenn sie konsumiert oder Pflanzenteile geraucht werden. Die aufgenommene Blausäure führt zu starken Vergiftungserscheinungen, wie Atemlähmungen, und einer Zerstörung des zentralen Nervensystems. Wird der Betroffene nach dem Verzehr nicht umgehend behandelt, kann die Vergiftung tödlich enden. Hortensien sollten daher nicht im Familiengarten gepflanzt werden.

Oleander

Alle Pflanzenteile des Oleanders enthalten das Gift Oleandrin.

Der Oleander zählt zur Pflanzenfamilie der Hundsgiftgewächse und ist in allen Pflanzenteilen stark giftig. Das herzwirksame Glycosid Oleandrin führt zu einem verlangsamten Puls, Übelkeit und  Krämpfen sowie blauen Lippen und Händen. Im weiteren Verlauf kommt es zu Herzrhythmusstörungen und Herzlähmungen. Dringt der Milchsaft durch Wunden in den Körper, kommt es ebenfalls zu Vergiftungen. Da Oleander sehr unangenehm schmeckt, werden häufig nur geringe Mengen konsumiert. Dennoch sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Achtung: Für Tiere, etwa Hunde, Katzen, Hasen, Meerschweinchen, Pferde oder weitere Nutztiere, ist der Oleander tödlich giftig.

5. Bärenklau und Fliegenpilz

Bärenklau

Bärenklau gelangt als Unkraut in den Garten und ist sehr giftig.

Diesen beiden Giftpflanzen begegnet man eher selten im Hausgarten. Doch besonders der Bärenklau wird häufig als Unkraut in den Garten eingeschleppt und breitet sich hier schnell aus. Wenn Sie eine Pflanze entdecken, sollte diese umgehend entfernt werden. Wichtig ist hierbei, dass Sie ausreichende Schutzkleidung (auch einen Gesichtsschutz) tragen, da der Bärenklau photosensibilisierende Substanzen aus der Gruppe der Furocumarine bildet, die in Kombination mit Sonnenlicht phototoxisch wirken. Bei Hautkontakt kommt es zu schwersten Verbrennungen und einer Quaddelbildung. Der Bärenklau wurde sogar zur Giftpflanze des Jahres 2008 gewählt.

Fliegenpilz

Fliegenpilze sind vorwiegend im Wald und auf naturnahen Wiesen zu finden.

Der Fliegenpilz ist in allen Bestandteilen giftig und fällt durch seinen roten Hut mit weißen Punkten sofort auf. Kinder könnten sich durch diese Farbkombination angesprochen fühlen und versuchen, den Pilz zu sammeln oder essen. Der Hauptwirkstoff des Pilzes ist eine nicht proteinogene Aminosäure namens Ibotensäure, die sich besonders in der Huthaut befindet und in getrockneten Fliegenpilzen zu Muscimol zerfallen ist. Beide Stoffe erzielen eine Rauschwirkung. Bei übermäßigem Verzehr kommt es zu lebensbedrohlichen Vergiftungen.

6. Giftpflanzen im Gemüsebeet

Unreife Tomate

Unreife Tomaten enthalten Solanin.

Nicht nur optisch ansprechende Zierpflanzen können bei Verzehr oder Hautkontakt zu schweren Verbrennungen und Vergiftungserscheinungen führen: Auch im Gemüsebeet müssen Hobbygärtner darauf achten, dass Kinder nicht übereilt zu bekannten Gemüsesorten greifen, die jedoch noch unreif sind. So führt beispielsweise der Verzehr von grünen Tomaten, Bohnen oder Kartoffeln bei Kindern zu schweren Vergiftungen. Noch grüne Kartoffeln und Tomaten enthalten beispielsweise Solanin, das zu den schwach giftigen chemischen Verbindungen zählt. In Samen und Hülsen unreifer grüner Bohnen befindet sich Lectin, das beim Kochen zerstört wird, jedoch beim rohen Verzehr zu Übelkeit, Schweißausbrüchen und Krampfanfällen führt.

7. Symptome einer Vergiftung

Maiglöckchen

Das Maiglöckchen ist stark giftig.

Vergiftungssymptome hängen stark von der aufgenommenen Menge des Auslösers und des allgemeinen Immunsystems des Kindes ab. Auch die Standortbedingungen sowie Vegetationsperiode der Pflanze haben Einfluss auf die Dosierung der Giftstoffe in den einzelnen Pflanzenteilen.

Generell sollten Sie sich fragen:

  • Wurden Teile der Giftpflanze (Blätter, Blüten, Stiele, Wurzeln, Beeren) gegessen?
  • Gab es Haut- oder Augenkontakt?
  • Wie viel wurde konsumiert?
  • Konnte Milchsaft über Wunden in den Körper gelangen?

Zu erwartende Vergiftungssymptome:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Schluckbeschwerden
  • Muskelkrämpfe
  • Lähmung
  • Atemschwierigkeiten bis -stillstand
  • Schweißausbrüche
  • Herzrasen
  • Blässe

8. Vergiftung durch Pflanzen – richtiges Verhalten im Notfall

Herbstzeitlose

Die Herbstzeitlose enthält das Gift Colchicin und wird oft mit Bärlauch verwechselt.

Oberste Regel bei Vergiftungserscheinungen: Nicht in Panik geraten!

  1. Es ist besonders wichtig, schnell, aber auf keinen Fall panisch, zu reagieren.
  2. Lassen Sie Ihr Kind, wenn es Pflanzenteile gegessen hat, die restlichen Pflanzenteile ausspucken oder spülen Sie bei Hautkontakt mit einer Giftpflanze die betroffene Haut sofort mit klarem Wasser ab.
  3. Geben Sie Ihrem Kind viel zu trinken, aber keine Milch oder Salzwasser, denn diese fördern die Giftaufnahme im Darm.
  4. Sofort den Notarzt und das Giftinformationszentrum anrufen. Schildern Sie hier alle Symtompe und nennen Sie die Giftpflanze, die verspeist wurde. Notieren Sie sich die Aussagen – in der Hektik vergisst man schnell wichtige Einzelheiten.
  5. Nicht immer ist das Auslösen von Erbrechen sinnvoll. Besprechen Sie diesen Punkt mit dem Ansprechpartner des Giftinformationszentrums.
  6. Stellen Sie die Pflanze oder die Pflanzenreste sicher und nehmen Sie diese mit in die Kinderklinik, damit die Giftstoffe schneller bestimmt werden können.

9. Giftinformationszentrale: Telefonnummern

Giftinformationszentrale NRW: 0228/ 19240

Giftinformationszentrale Niedersachsen/ Bremen: 0551/ 19240

Giftinformationszentrale Bayern: 089/ 19240

Giftinformationszentrale Schleswig-Holstein/ Hamburg: 0551/ 19240

Giftinformationszentrale Sachsen/ Thüringen/ Sachsen-Anhalt : 0361/ 730730

Giftinformationszentrale Hessen/ Rheinland Pfalz: 06131/ 19240

Giftinformationszentrale Brandenburg/ Berlin: 030/ 19240

Giftinformationszentrale Baden-Württemberg: 0761/ 19240

Giftinformationszentrale Saarland: 06841/ 19240

Giftinformationszentrale Meckelnburg-Vorpommern: 0361/ 730730

 

Lesetipp: Giftpilze erkennen

Schnell ist der Perlpilz mit dem Pantherpilz verwechselt oder ein gesammelter Waldpilz roh verspeist – dies kann im schlimmsten Fall tödliche Konsequenzen haben. Wir erklären, wie Sie eine lebensgefährliche Pilzvergiftung vermeiden können und wie Sie im akuten Notfall reagieren sollten. Giftpilze erkennen und vermeiden

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