Möhren und Karotten anbauen

Möhren

Karotten und Möhren – ist das nicht dasselbe? Ja und nein. Als “Möhre” werden botanisch alle Pflanzen der Gattung Daucus carota bezeichnet, hierzu gehört vor allem auf nahezu allen mitteleuropäischen Wiesen vorkommende “Wilde Möhre”. Die Speisemöhre oder Karotte, Daucus carota subsp. sativus, ist die einzige Kulturform dieser Pflanze und auch als Mohrrübe, Gelbrübe, Gelbe Rübe oder Ruebli bekannt.

 

Karotten lassen sich recht einfach im Garten anpflanzen und bieten, zeitlich gestaffelt gepflanzt, fast das ganze Jahr über eine konstante und vitaminreiche Frischgemüseversorgung aus dem Garten. Ein und dieselbe Möhrensorte lässt sich als Früh-, Sommer- und Spätmöhre aussähen. In diesem Artikel werden Herkunft, Anbau sowie Krankheiten von Möhren vorgestellt. Wer schmackhaftes Möhrengemüse aus dem eigenen Garten schätzt, kommt um einen eigenen Karottenanbau gar nicht herum.

1. Möhre oder Karotte? Bedeutung und Herkunft der Bezeichnungen

Ob man Karotte oder Möhre sagt, hängt vor allem mit der Herkunft des Sprechers zusammen. Während man in Ost- und Norddeutschland mehrheitlich Möhre sagt, wird das Gemüse in den südlichen Bundesländern eher Karotte genannt. Im Westen ist man sich nicht einig, dennoch gibt es auch hier ein Nord- Süd-Gefälle bei der Bezeichnung. In Teilen Niedersachsens und im Grenzgebiet zu den Niederlanden werden Möhren/Karotten auch als Wurzel, von nl. Wortel, bezeichnet, das bairisch-schwäbische kennt die “Gelbe Rübe”. Im alemannisch-schweizerdeutschen Raum dominiert das Rüebli, in Schwaben will man auch schon das “Rübele” gesichtet haben – wahrlich ein Gemüse mit 1000 Namen!

2. Bodenanforderungen von Möhren

Möhren und Karotten wachsen am besten auf tiefgründigen, steinfreien Sandböden oder auf sandigen Lehmböden. Auch Lößboden, wie er in alten Flusstälern vorkommt, ist bestens geeignet. Der pH-Wert sollte dabei zwischen 6,5 und 7,5 liegen, neutral bis leicht säuerlich. Die in Deutschland herrschenden Temperaturen sind für den Anbau von Möhren sehr gut, Durchschnittstemperaturen von 16 bis 18 °C sind für das Möhrenwachstum optimal. In heißen Sommern sollte man Möhren ab und zu etwas Wasser geben, bei spontan auftretenden Frostnächten im Frühjahr kann es hilfreich sein, das Möhrenbeet mit einem Vlies abzudecken.

3. Karotten anbauen

Karotten werden, im Unterschied zu vielen anderen Gemüsen, nicht als Setzling gepflanzt sondern gesät. Die Samen sollten zu Beginn der frostfreien Periode im Abstand von etwa fünf Zentimetern in die Erde eingesetzt werden, der Samen muss dabei etwa drei Zentimeter in der Tiefe liegen. Anschließend werden die Samen sorgfältig angegossen.

Nach einiger Zeit, wenn das Grün der Möhren schon aus der Erde schaut, müssen die Pflänzchen gegebenenfalls noch etwas ausgelichtet werden, eine ausgewachsene Möhre braucht Platz. Je nach Aussaatzeit können die Wurzeln dann, bei regelmäßiger Wässerung und mäßiger Düngung, nach folgender Möhren-Reifezeit geerntet werden:

Frühmöhren: 70 bis 90 Tage

Sommermöhren: 110 bis 135 Tage

Spätmöhrenanbau: 170 bis 220 Tage

Durch die verminderte Vegetationskraft brauchen die Spätmöhren etwas länger, sie sind aber oft auch etwas aromatischer. Baut man in mehreren Beeten die Möhren zeitlich gestaffelt an, kann man das ganze Jahr über eine Versorgung mit frischen Möhren aufrechterhalten.

4. Von der “Wilden Möhre” zur Industriemöhre

wilde Möhre

Gartenmöhre: Schrumplig, aber schmackhaft!

Alle Arten von kultivierten Möhren lassen sich auf die “Wilde Möhre” zurückführen, die auch heute noch auf nahezu allen Wildwiesen in Mitteleuropa zu finden ist. Im Unterschied zur Möhre aus dem Supermarkt hat diese aber eine eher kleine, gleichfalls essbare Wurzel, dafür aber ein üppiges, weiß blühendes Grün.

Aus schon vorhandenen, nicht-wissenschaftlichen Züchtungen wurden ab 1900 teils enorme Größensteigerungen beim Wurzelwachstum erzeugt. Ziel war und ist es, möglichst viel Rinde und möglichst wenig Mark beim Wachstum der Möhre unter der Erde zu erzeugen. Leider wurde bei diesen Sorten, ähnlich wie bei der berüchtigten Wassertomate, viel zu wenig auf den Geschmack geachtet: Die auch heute noch im Handel erhältlichen, riesigen Möhren bestehen fast nur aus Wasser – die wertvollen Karotten-Vitamine bleiben auf der Strecke.

Ganz anders die Gartenmöhre: Sie sieht vielleicht kleiner und ein wenig schrumplig aus, ist dafür aber eine geballte Carotin- und Vitaminbombe: Alle wertvollen Inhaltsstoffe befinden sich konzentriert in der kleinen, intensiv orangen Gartenmöhre. Es ist auch etwas leichter, die selbst gezogenen Möhren zu lagern: Durch den geringeren Wasseranteil schrumpeln sie nicht so leicht.

5. Schädlinge und Krankheiten bei Möhren

Schwarzfäule an Möhren

Schwarzfäule an Möhren

Möhren sind durch ihre recht exponierte Position in der Erde leider anfällig für Schädlinge. An den sichtbaren Teilen der Pflanze ist meist kein Befall feststellbar, sie werden daher auch oft vorbeugend in klar abgegrenzte Frühbeete gesetzt.

Viren: Am einfachsten ist die Möhrenscheckung oder Möhrenrotblättrigkeit zu diagnostizieren. Hierbei sind die Möhren infolge eines Virenbefalls gelb oder rot gescheckt, das Laub bildet sich nicht aus. Um Möhren auf diesem Boden anbauen zu können, muss ein umfangreicher Bodenaustausch vorgenommen werden.

Pilze: Die Grauschimmelfäule ist deutlich häufiger und breitet sich im Möhrenbeet aus, die Schwarzfäule und die Weißfäule sind andere Pilzbefalle, aber nicht minder schädlich. Man kann hier nur vorbeugen: Staunässe im Boden durch Sandbeimengung vermeiden, der Boden sollte vor der Saat gründlich aufgelockert werden.

Möhrenfliegenbefall

Möhrenfliegenbefall

Schädlinge: Auch Parasiten setzen der Möhre zu: Die Möhrenfliege ist im Gartenbau nach wie vor die größte Bedrohung der heimischen Karottenernte. Auch der Möhrenblattfloh, die Mehlige Möhrenblattlaus, die Möhrengallmücke und diverse  andere Kleinlebewesen haben es auf die nährstoffreiche Möhrenwurzel abgesehen. Auch hier hilft nur eine sorgfältige Kulturplanung: Frische Erde, gut mit Sand durchmischt und regelmäßig gewässert sorgt für eine gute Möhrenernte.

6. Kleine Möhrengeschichte

Die ältesten, kultivierten Möhren wurden bereits von den antiken Römern und Griechen angebaut. Die gelben und rot/violetten Möhren stammen ursprünglich aus Afghanistan, die weiße Möhre stammt aus dem Mittelmeerraum. Die heutige Kulturform entstand vermutlich aus der Kombination aller drei Arten.

Im 10. Jahrhundert wurden bereits im heutigen Iran Möhren in Kulturform  angebaut. Der älteste, bezeugte Anbau von Kulturmöhren im deutschen Raum ist für das 13. Jahrhundert verbürgt. Im 16. und 17. Jahrhundert setzte sich die Möhre auf breiter Front durch, sie waren allerdings noch sehr farbenfroh.

Die orangefarbene “Möhre der Neuzeit” stammt, wen wundert es, aus den Niederlanden. Hier wurden auf Gemälden des 17. Jahrhunderts zum ersten Mal orangefarbene Möhren gezeigt. Im 19. Jahrhundert war die Möhre bereits “in aller Munde” und ein geschätztes, vitaminreiches Kulturgemüse, dass sich auch im heimischen Garten leicht anbauen ließ.

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