Regenwasserbewirtschaftung: Wohin mit dem Regenwasser?

In Anbetracht der kürzlichen Hochwasser-Katastrophen ist die Bewirtschaftung von Regenwasser ein immer wichtigeres Thema. Mithilfe von Versickerungssystemen, durchlässigen Flächenbefestigungen und Retentionstanks kann ein wesentlicher Beitrag zur Vorbeugung von Überschwemmungen geleistet werden. Außerdem profitiert auch der Geldbeutel von einer sinnvollen Regenwasserbewirtschaftung.

Warum Regenwasser versickern lassen bzw. zurückhalten?

Allein in Baden-Württemberg regnet es jährlich durchschnittlich 875 Liter/m³. Wohin mit dem vielen Regenwasser? Durch die zunehmenden Flächenversiegelungen – vor allem in den Städten – kann ein Großteil des Regenwassers nicht im Erdreich versickern, sondern wird in das Kanalnetz abgeleitet. Die Folge: Der öffentliche Kanal ist überlastet, sodass er keinen Niederschlag mehr aufnehmen kann und letztlich Hochwasser entsteht. Als Ziel der Regenwasserbewirtschaftung gilt es, so viel Regenwasser wie möglich versickern zu lassen oder gedrosselt in die Kanalisation abzuleiten. Mit geeigneten Versickerungssystemen steuert man also etwas zum Hochwasserschutz bei. Außerdem wird durch die Regenwasserbewirtschaftung die hydraulische Belastung der Kläranlagen verringert, was wiederum zu einem besseren Reinigungsergebnis führt.

Darüber hinaus wird durch das versickernde Regenwasser die Grundwasserneubildung gefördert. Grundwasser ist eine der wichtigsten Quellen zur Trinkwasser-Gewinnung, da es sich um sehr reines und sauberes Wasser handelt. 

Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist, dass man mit Versickerungsanlagen und wasserdurchlässigen Flächenbefestigungen Abwassergebühren sparen kann. Ein Großteil der Kommunen setzt auf die gesplittete Abwassergebühr, bei der das Niederschlagswasser (in die Kanalisation abgeleitetes Oberflächenwasser) und das häusliche Abwasser (Abwasser durch Waschmaschine, Toilette usw.) getrennt voneinander mit Gebühren belastet werden. Wer sich für ein entsprechendes Versickerungssystem entscheidet, kann zumindest bei den Niederschlagsgebühren Einsparungen erzielen.

Welche Versickerungssysteme sind sinnvoll?

  • Flächenversickerung: Das Niederschlagswasser wird auf eine gutdurchlässige Fläche,  meist eine Rasenfläche, geleitet, auf welcher es großflächig versickert.
  • Muldenversickerung: Unter einer Mulde versteht man eine Vertiefung in einer Grünfläche. In dieser Geländemulde wird das Regenwasser zwischengespeichert und versickert anschließend im Untergrund. Hierbei muss man beachten, dass die Oberfläche der Mulde aufgrund des Einstaus bei starken Regenschauern nur eingeschränkt nutzbar ist.
  • Mulden-Rigolen-Versickerung: Unter der Versickerungsmulde befindet sich eine sogenannte Rigole. Als Rigole bezeichnet man kiesgefüllte Speicherräume oder Kunststoffkästen, welche das Regenwasser zwischenspeichern und zeitverzögert in den Untergrund abgeben. Mulden-Rigolen-Elemente können auch bei mäßig durchlässigem Boden Anwendung finden.
  • Rohrrigolen-Versickerung: Diese Versickerung ist eine Sonderform der Rigolen-Versickerung. Ein Drainagerohr ist in einer Kiesschicht eingebettet. Im Gegensatz zu den anderen Versickerungssystemen strömt das Regenwasser von der Dachrinne nicht oberirdisch, sondern unterirdisch über ein Rohr in die Drainage. Der Vorteil: Dadurch lässt sich die darüber liegende Fläche nutzen. Nachteil ist allerdings, dass die Reinigungsleistung geringer ausfällt, weil das Regenwasser keine belebte Bodenzone durchläuft. Um das Grundwasser zu schützen, ist eine Vorreinigung des Wassers durch Filter daher zwingend notwendig.

 

Welche Möglichkeiten gibt es für durchlässige Flächenbefestigungen?

Zu den durchlässigen Flächen zählen zum Beispiel versickerungsfähige Pflastersteine. Dabei unterscheidet man zwischen Pflastersteinen, bei denen das Wasser über die Fuge ins Erdreich versickert, und haufwerksporigen Pflastersteinen. Bei Letzterem versickert das Wasser sehr schnelldirekt durch den Pflasterstein. Das ist möglich, weil die Steine offenporig sind. Dadurch sind sie allerdings geringer belastbar und eignen sich nicht zum Befahren mit Wohnmobilen etc. 

Eine weitere Möglichkeit, um vor allem Parkplätze befahrbar und versickerungsfähig zu gestalten, sind Rasenwaben und Rasengittersteine. Während Rasenwaben aus wabenförmigen Kunststoffelementen bestehen, sind die Waben der Rasengittersteine aus Beton. Beide Flächenbefestigungen werden auf einem Sandboden verlegt, mit Muttererde aufgefüllt und begrünt. Rasenwaben haben den Vorteil, dass sie über einen hohen Grünanteil verfügen. Rasengittersteine wiederum sind dafür wesentlich belastbarer.

Rückhaltung von Regenwasser mit Retentionszisternen

Immer mehr Gemeinden fordern vorwiegend bei Neubauten, dass ein Teil des Regenwassers verzögert in die Kanalisation abgegeben wird, um das Kanalnetz zu entlasten. An dieser Stelle kommt der Retentionstank ins Spiel. Dieser Regenwassertank hält das Niederschlagswasser zurück, indem er eine Zwischenspeicherung des Wassers vornimmt. Anschließend führt der Retentionstank das Regenwasser gedrosselt an das Kanalnetz ab. Wer sich einen Retentionstank anschaffen möchte, sollte sich gleich überlegen, ob er diesen mit einer Regenwassernutzungsanlage kombiniert. Denn so kann das angesammelte Regenwasser auch für die Gartenbewässerung oder im Haushalt zum Wäschewaschen, die Toilettenspülung und zum Putzen genutzt werden.

Weitere Infos:

Ausführliche Infos über die Regenwasserbewirtschaftung sind über das kostenlose E-Book von BENZ24erhältlich. Neben der Versickerung und Rückhaltung von Regenwasser ist auch die Regenwassernutzung ein großes Thema. Am Ratgeber wirken vier unabhängige Experten mit einem Gast-Beitrag oder einem Interview mit. Dazu zählen zum Beispiel die Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung e. V. Darmstadt (fbr) sowie der öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Bewirtschaftung und Nutzung von Regenwasser Klaus W. König.

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